Eine ganz andere Weihnachtsgeschichte

Memo der Qualitätssicherung Flucht

In einer Stadt der Provinz Judäa hatte sich vor einigen Jahren ein Paar gemeldet. Sie seien gekommen wegen der neuen Steuergesetze. Sie gaben an, aus Judäa zu stammen. Ausweisen konnten sie sich nicht. Da sie ihre Identität erst einmal nicht zweifelsfrei nachweisen konnten, erfolgte keine Zuweisung kommunalen Wohnraums. Sie wurden statt dessen in eine verfügbare Unterkunft gebracht. Die später vorgetragene Behauptung, es sei ein Stall gewesen, in dem es gezogen habe und in dem die Frau, die schwanger war, sehr gefroren habe, wiesen die zuständigen Behörden vehement von sich. Kurz nach Bezug des Quartiers brachte die Frau ein Kind zur Welt, einen Jungen. Dass es in dem Raum nur in einem Futtertrog Platz für das Neugeborene gegeben habe, wird eine maßlose Übertreibung gewesen sein. In der Nähe kampierende Hirten hörten von der Geburt. Diese Gutmenschen gingen bei der Familie vorbei und brachten ihnen eine Decke und etwas zu essen. Sie gratulierten und erzählten dem Paar – wie wir hörten -: Durch die sozialen Netzwerke hätten sie erfahren, dass dieses Kind Gott sehr wichtig sei. Wenige Tage später kamen Ausländer vorbei mit Schwarzgeld und Drogen. Die zuständigen Stellen wurde auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Erschwerend kam hinzu, dass sie dieses Kind als neuen König bezeichneten. Hier zeichnete sich eine deutliche Terrorgefahr ab. Die Versuche, der Familie oder der drei Ausländer habhaft zu werden, scheiterten. Mitten in der Nacht haben die beiden mit dem Kind die Stadt verlassen. An der Grenze zu Ägypten wurden sie angehalten. Sie baten um Aufnahme in Ägypten als vor Gewalt Geflüchtete. Sie wurden bis zur Prüfung erst einmal in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht. Bei der Aktenanlage konnten sie weder ihre Identität belegen noch ihre verwandtschaftliche Bindung. In der Befragung gab der Mann sogar unumwunden zu, die Frau sei nur seine Verlobte, und er sei auch nicht der Vater des Kindes. Daraufhin wurden für die beiden Erwachsenen zwei getrennte Akten angelegt mit je eigenem Aktenzeichen. In dem wenige Tage später geführten Interview gaben beide an, auf der Flucht zu sein vor einem geplanten Kindermord. In den bei der anschließenden Prüfung des Protokolls hinzugezogenen Länderberichten fanden sich keine Hinweise auf Vorkommnisse, wie die Geflüchteten sie schilderten. Allerdings traf inzwischen die Information ein über den Kontakt zu den mysteriösen Fremden mit dem Geld und den Drogen. Daher wurde der Mann, Josef, erst einmal in eine Sicherheitsverwahrung für Gefährder gebracht. Die Bitte der Mutter mit dem Kind um Duldung aus humanitären Gründen wurde abgelehnt. Die Quote für mögliche Aufnahmen war kurz vor Ende des Jahres längst erfüllt. Die beiden wurden der nächsten Karawane mit freien Plätzen mitgegeben, um sie zurückzuführen in ihr Herkunftsland.

Der Mann klagte gegen seine Ablehnung bei den zuständigen Gerichten. Als das Oberverwaltungsgericht nach drei Jahren zu der Entscheidung kam, dem Antrag des Mannes sei stattzugeben (inzwischen häuften sich Mitteilungen aus Judäa über Gewalttaten gegen Kinder), stellte der Mann einen Antrag auf Familienzusammenführung. Sofern Mutter und Kind die nötigen Sprachkenntnisse nachweisen könnten, dürften sie nach Ägypten einreisen. Dazu müssten sie bei der Auslandsvertretung Ägyptens in Judäa einen Termin für die Visumserteilung beantragen. Die Wartezeit belaufe sich inzwischen unter einem Jahr. Mit dem Visum wäre ihnen dann der Nachzug nach Ägypten gestattet. Nach Durchlaufen des mehrmonatigen Aufenthaltes in den verschiedenen Erstaufnahme- und Unterbringungseinrichtungen könnten sie dann zu dem Mann ziehen.

Die Umsetzung des Familiennachzuges unterblieb allerdings. Nachforschungen ergaben, dass das Kind anscheinend dem Kindermord zum Opfer gefallen ist. Von der Mutter fehlt jede Spur.

Die Abteilung Qualitätssicherung Flucht zieht aus dem geschilderten Vorfall folgenden Schluss: Die beteiligten Verfahrensberater hätten – statt die Familie über die möglicherweise bestehenden Rechtsansprüche zu informieren – der Familie mehr Informationen zur freiwilligen Rückkehr geben sollen. Dann wäre dem Mann die schmerzliche Trennung von seiner Verlobten und dem Kind erspart geblieben. Darüber hinaus sieht die Abteilung Qualitätssicherung Flucht keinen Hinweis für die Verletzung von Grundrechten, für Rechtsbeugung oder unbillige Härte durch die beteiligten Instanzen.

Wäre Jesus 2017 in Afghanistan oder im Norden des Irak geboren worden und hätte die Familie in Deutschland Asyl beantragt: Wer weiß, ob in 2000 Jahren die Menschen dann Weihnachten feiern würden.

©  2017

Zur Taufe Geflüchteter

Zur Taufe von Geflüchteten und der Interview-Praxis des BAMF

Geflüchtete, die in Deutschland Zuflucht suchen und in die Kommunen überwiesen wurden (Transfer), sind gehalten, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Im Zuge der Erkundung der deutschen Gesellschaft und der ersten Beheimatung kommt es auch zu Kontakten zu den christlichen Kirchengemeinden. Die verfassten Kirchen laden gerne zu Gottesdienstbesuch und Teilnahme am Gemeindeleben ein. Sollte es im Rahmen intensiver Kontakte dazu kommen, dass Geflüchtete getauft werden möchten, erfolgt gemäß den jeweiligen Regelungen der verfassten Kirchen eine intensive Vorbereitung der Taufe. Glaubensinhalte, christliche Ethik und Leben der Gemeinde sind dabei wichtige Inhalte. Am Ende dieser Vorbereitungszeit werden die Geflüchteten erneut gefragt, ob sie an ihrem Taufwunsch festhalten.
Auf die Bestätigung dieser Frage hin erfolgt dann die Taufe.

Soweit es für rechtliche Belange relevant ist, kann natürlich durch staatliche Behörden überprüft werden, ob die Taufe wirklich erfolgt ist und ob es eine intensivere Vorbereitung gegeben hat. Ebenso ist es überprüfbar, ob ein Getaufter am Gemeindeleben teilnimmt.

Eine Überprüfung des Glaubens verbietet sich grundsätzlich und theologisch, da Glaube eine Beziehung ist, die Gott stiftet und die sich ereignet zwischen Gott und dem einzelnen Menschen. Dieses Glaubensgeschehen ist uns unverfügbar und entzieht sich daher jeglicher menschlichen Prüfung.

Von daher widerspricht die Kreissynode Wittgenstein entschieden der Praxis des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Glauben prüfen zu wollen oder die Ernsthaftigkeit der Taufe an der Fülle des auswendig gelernten Wissens zu bemessen.

Zudem widerspricht die Kreissynode Wittgenstein dem mit dieser Praxis verbundenen Übergriff in Aufgaben der Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechtes.

Die Überprüfung der Taufhandlung selber und der vorher erfolgten Unterweisung sollte – zusammen mit der Tatsache, dass der Getaufte sich mit seiner Taufe außerhalb des Schutzraums seiner Familie begibt – Indiz genug dafür sein, dass der getaufte Geflüchtete es ernst meint und mit seiner Taufe nicht mehr und nicht weniger tut, als sein Grundrecht auf freie Religionsausübung wahrzunehmen. Wenn die Wahrnehmung dieses Grundrechtes im Einzelfall ein weiteres Argument ist, in Deutschland Asyl zu bekommen, entspricht dies dem Grundgedanken des Grundgesetzes, Menschen, denen im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer Menschenrechte Verfolgung droht, einen Schutzraum zu gewähren.

Die Kreissynode Wittgenstein bittet die Landessynode, sich dieses Anliegen zu eigen zu machen und auf politischer Ebene für den Schutz der Religionsfreiheit und die Unterbindung der Praxis einer Glaubensprüfung einzutreten.

Kirchentag Berlin 3

„Nicht in meinem Namen“
Das Konzert mit Bodo Wartke war das Anstehen wert. Aber dazu brauche ich nicht viele Worte zu verlieren.
Schon bei einem besonderen Gottesdienst in Bad Berleburg hörte ich von dem Lied „Nicht in meinem Namen“. Live und mit Erläuterungen ging es mir ins Herz. Denn es verwischt nicht mit einem „Wir glauben doch alle an den gleichen Herrgott“ die bestehenden Unterschiede zwischen den monotheistischen Religionen. Zugleich betont es die den Religionen gemeinsame Grundüberzeugung, dass ein Schöpfergott nicht Leid und Schmerz für seine Geschöpfe wollen kann. Woimmer wir hingehen und Gewalt, Hass, Ausgrenzung zu legitimieren versuchen mit Verweisen auf Gott, dort müssen wir uns dem Urteil stellen, damit Gott zu missbrauchen und seiner Liebe zu seiner Schöpfung Gewalt anzutun.

Kirchentag Berlin 2 b

Das „Hirschhausen-Phänomen“
Da stehen wir an, tausende von KirchentagsteilnehmerInnen, diesmal nicht für Obama und Merkel, auch nicht, um spirituelle Persönlichkeiten zu belauschen oder uns einzubringen in eine Positionierung zur AfD.
Nein, wir stehen an, um unter der Anleitung eines Vertrauen erweckenden Arztes zu lachen und uns ein Wohl-Gefühl abzuholen. Nach meinem Eindruck Menschen aus sehr unterschiedlichen „Milieus“, auch altersmäßig bunt gemischt. Nur die, die die Ausgaben von Zeitschriften über Jahrzehnte gesammelt haben und die die Geschichte des Kirchentages ohne Zuhilfenahme eines Konzeptes referieren können, fehlen.
Uns in den gefüllten Hallen tut es gut zu sehen, keine belächelten Außenseiter zu sein. Zugleich sagt es viel aus über die Defizite in unserer Gesellschaft, wenn wir für ein befreiendes Lachen eines Entertainers bedürfen. Gut, dass es ihn gibt. Noch besser wäre es, wenn wir ihn nicht bräuchten!

Kirchentag Berlin 2

Manchmal sind die Veranstaltungen die besten, in denen man aus Versehen landet: statt in Halle 21b saß ich in 21a. „Radieschenfieber“ ein Soloprogramm mit Seil, Tuch, Plastikbechern und Co. Biblische Geschichten, humorvoll erzählt, mit Gegenwartsbezug und zugleich ein Fest für’s Auge! Es gibt keine Zufälle.

Matthias Nagel und Kollegin rockten Mittags die „Westfalenhalle“.

Kirchentag Berlin 1

Eine heitere und kluge Bibelarbeit zum Auftakt mit Didi Jünnemann und Gundula Schmidt, entlarvend und manches gerne zum Mitnehmen. Leider nur etwas wenig Bibel für meinen Geschmack.
Am Abend ein hervorragendes Konzert mit dem Charitechor. Frisch gesungen, sehr präsent, feinfühlig. Über die im Kirchraum vorher freigesetzten heiligen Kampfstoffe konnte man da hinwegriechen.
Beim Markt der Möglichkeiten bin ich auf eine Initiative für Trostpuppen zum Einsatz in der Arbeit mit Geflüchteten gestoßen. Es wäre wert, darüber mehr zu berichten. Vielleicht kann ich noch den Link nachliefern.