Tag 5 – Theologies of the religions

Leider hat mir die Schwüle zu schaffen gemacht. Darum konnte ich die Impulse von Paul Knitter, John Thatamil und Roger Haight nicht so aufnehmen, wie sie es verdient hätten. – Die spannende Frage, die sie aufwerfen, ist die Verhältnisbestimmung der Religionen zueinander. Hat Christus den absoluten Primat für alle Menschen dieser Welt, ist er also heilsnotwendig? Was ist dann aber mit denen, die Christus nicht begegnen konnten? Oder sind die verschiedenen Religionen Gottes Wege mit uns Menschen, die erst in der Begegnung und Kommunikation ihre komplette Kraft entfalten? (Pluralismus) Oder ist es egal, welche Religion man lebt, da jede Religion für sich den Weg zum Heil eröffnet? (Partikulismus) / Spontan und aus dem Bauch würde ich sagen: Für mich als einzelnen Menschen ist es wichtig, der Liebe Gottes zu begegnen. Aus meiner Sicht ist dabei die Offenbarung Gottes in Jesus das umfassenste Zeugnis, das mich hineinzunehmen vermag in seine Liebe zu mir. / Es geht aber nicht nur um mich! Als von der Liebe Gottes zum Leben, Hoffen und Lieben Befreiter habe ich einen Auftrag: Gottes Liebe aller Welt auszurichten. Die dazu notwendige spirituelle und ethische Orientierung erlange ich dann am umfassendsten, wenn ich bereit bin, andere Religionen wahrzunehmen, das Erlebte zu reflektieren und einzutreten in ein Gespräch mit den anderen Religionen, um uns gegenseitig so zu stärken, dass wir unserem gemeinsamen  Auftrag gerecht zu werden vermögen.

Tag 4 – Identität braucht Begegnung

Eine steile These: Wer ich bin, erkenne ich erst durch die Begegnung mit dem, der anders ist. So wage ich, platt zusammenzufassen, was uns unser Referent vermittelte. Wir brauchen den Pluralismus. Der Referent macht das sogar in seiner Deutung der Schöpfungsgeschichte deutlich. Adam hatte eigentlich alles, was er braucht: Essen und Nahrung, einen sicheren Ort, Gott, der ihm ein Gegenüber ist. Aber all das reicht ihm nicht. Er braucht jemanden, der „Bein von meinem Bein“ ist – und doch in vielerlei ganz anders. Erst mit diesem Gegenüber kommt er ganz zu sich, weil er in der Auseinandersetzung mit dem anderen erst über sich selber klar wird. Und Gott sei über dieses Urteil Adams über die Schöpfung nicht erbost gewesen. – Die Vielfalt der Religionen als Schlüssel zum eigenen Glauben. – Ein total interessanter Denkanstoß, aber ich weiß noch nicht, ob die mit dieser These gesetzten Implikationen zielführend sind für das Verständnis der Religionen und unserem Umgang mit ihnen.

Tag 2 Forts. – 9/11

Eigentlich wollten wir nur kurz hinein schauen, aber das ging gar nicht. Die big facts wurden gut durchmischt mit biographischen Elementen. Die Erschütterung und der Wille, sich von dem Schicksalsschlag nicht in die Knie zwingen zu lassen, wird greifbar. Mal sind es Relikte, die von den Opfern zeugen, mal die Nachricht auf einen Anrufbeantworter.

Geht es nur mir so? Ich hatte das Gefühl, an einen wohl durchdachten Gottesdienst teilzunehmen. Nur die Kernaussage der Verkündigung liegt für mich nicht auf der Hand. Es ist nicht der unreflektierte Stolz auf die eigene Nation. Die Aussage war tiefer und differenzierter.

Tag 2 New York – jüdische Comunity

Nach dem Besuch des Generalkonsulats führte uns eine frühere Bewohnerin des chassidischen Williamsburg durch die Heimat ihrer Kindheit. Gerade aus ihrer Biographie heraus konnten wir lernen, warum die Regeln wichtig sind für die Gemeinschaft. Sie hilft, die Identität zu wahren. Die Gemeinschaft arbeitet in der Comunity, konsumiert in ihr, steht für einander ein. Dieses System funktioniert aber nur, weil die Stadt für soziale Aufgaben Stellen finanziert, die dann die Menschen des Viertels hinein nimmt in den Wirtschaftskreislauf. – Kommt das auch auf unsere Zukunft zu mit Blick auf bestimmte Flüchtlingsgruppen?

Tag 0

Ich darf auf eine Fortbildung „Pluralismus der Religionen“. Tagungsort: New York. Das Thema ist nicht nur für mich dran. Menschen mit ganz unterschiedlichen Religionen und Kulturen kommen bei uns an. Sie werden unsere Wirklichkeit verändern. Ob dies eine segensreiche und bereichernde Erfahrung wird, liegt nicht nur an den Geflüchteten, sondern auch uns. Sind wir bereit, mit ihnen zusammen zu gestalten? Lassen wir Raum für ihren Weg? Sind wir offen und sprachfähig, über unsere Religiosität zu sprechen? Trauen wir uns, in den Spiegel zu schauen, den unsere neuen Mitbürger uns vorhalten? Wenn ja, wird es zum Segen werden für alle ! – Ob wir in New York Impulse bekommen, die stärken für diesen Weg?
Gleich geht es zum Flughafen, Vorabend-Checkin und Hotelübernachtung, um runter zu kommen nach den gewesen An- und Herausforderungen.

Eingeschlafen ?

Wie ist das nun mit den anerkannten Geflüchteten? Dürfen sie, dürfen sie nicht? Und wenn sie dürfen, wie dürfen sie – endlich raus aus der Landeseinrichtung?
Ich war recht zuversichtlich, eine Lösung zu entdecken. Aber es ist so wie mit dem Passierschein A 38, der selbst listige gallische Krieger in den Wahnsinn treiben kann . . . Im Moment sieht es so aus, dass ich vor meiner Fortbildung keine neuen Erkenntnisse gewinnen kann. Dabei ist es eine mir unerträgliche Situation: Da fliehen Menschen zu uns, die Beistand und Normalität brauchen. Statt dessen kommen vor ihrem inneren Auge die Schreckensbilder tagtäglich hoch, da die Ablenkung fehlt, wie sie Integrationskurs, Beheimatung und Arbeit schenken könnten.

Weite wirkt 6. – 8. Mai Roma

Ein bedenkenswerter Impuls: Was würde wohl geschehen, wenn wir jüdische Menschen so behandeln und aburteilen würden, wie es in der Flüchtlingsarbeit mit den Roma vom Westbalkan geschieht? (So meine persönliche Erinnerung an eine engagierte Äußerung von Volker Maria Hügel, ggua Münster)

Es ist ein bedenklicher Umgang mit unserem sowie schon arg verwässerten Asylrecht, wenn die Roma pauschal als „offensichtlich unbegründet“ beiseite geschoben werden.